Kuratoriumssitzung der Akademie Schloss Solitude 2018 – Internationale Studenten im Fokus

Am 5. Oktober 2018 tagte die Kuratoriumssitzung der Akademie Schloss Solitude. Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Ursula Eid, und den anschließenden Bericht über die Arbeit des Beirats in diesem Jahr durch die Interims-Beiratsvorsitzende Brigitte Lösch, führte die Akademiedirektorin, Frau Elke aus dem Moore, durch das Herbst/Winter-Programm der Akakademie: „Gemini“, „Softpowerpalace“ und „Bodies of Evidence“.

Das Ausstellungsprojekt “Gemini“ will ausgehend von der Figur des Doppels Identifikationsprozesse anstoßen, während das Projekt „Softpowerpalace“, zu ergründen versucht, welche soziale und politische Kraft unabhängige Kunsträume und künstlerische Initiativen bspw. auf eine Region oder gar auf das europäische Denken haben. Dabei arbeiten künstlerische Initiativen aus europäischen Städten in einem öffentlichen Prozess zu Perspektiven eines europaübergreifenden kulturellen Austauschs. Das Projekt „Bodies of Evidence“ schließlich untersucht den Körper als Dokument von Bewegungen über Grenzen, die durch Faktoren, wie bspw. Nationalstaatlichkeit oder Souveränität, gezogen werden.

Nach der abschließenden Diskussion folgt die Führung durch zwei Ausstellungen. In der ersten Ausstellung „Sensing Landscape“ beschäftigt sich Saadia Mirza mit der Visualisierung und Kartierungen von umkämpften Gebieten Südafghanistans während des Krieges 2001-2014 anhand von georäumlichen Datenanalysen. In der zweiten Ausstellung „Past Future Perfect“ untersucht Marian Gioti die Spuren, die der technische Fortschritt von der Zeit nach dem 2. WK bis in die Gegenwart hinterlassen hat.

Im Mai diesen Jahres hat Elke aus dem Moore ihr neues Amt als Direktorin der Akademie von Schloss Solitude angetreten als Nachfolgerin des Gründungsdirektors Jean-Baptiste Joly. In ihrer Ansprache macht sie deutlich: Internationale Vernetzung und disziplinübergreifende Arbeit ist für sie Programm. Ihr besonderes Interesse gilt dem Gedanken der „Akademie“ als kultureller Institution und Bildungseinrichtung, insbesondere hinsichtlich der Wechselbeziehungen zwischen internationalen und lokalen Kontexten. Kunst besitzt für aus dem Moore „das Potenzial, jenseits von ökonomischer Verwertbarkeit in die Zukunft zu denken und Impulse zu geben für gesellschaftliche Veränderungsprozesse“. Und „genau dieses Potenzial möchte sie aufgreifen und die Akademie Schloss Solitude zu einer Bildungseinrichtung machen, die jenseits der formalen Bildungssysteme Kunst und Gesellschaft stärker miteinander verbindet.“ Sie möchte das gemeinsame transdisziplinäre Arbeiten noch deutlicher hervorheben und eine stärkere Verbindung zwischen Kunst und Gesellschaft herstellen.

Akademie Schloss Solitude ist weltweit eine der wichtigsten Bühnen der Künstlerförderung überhaupt. Die Akademie ist zugleich: eine internationale Bildungseinrichtung außerhalb des Hochschulsystems, ein Forschungslabor für junge Nachwuchskünstler und Wissenschaftler. Ziel der Akademie ist deren Förderung, mögliche transdisziplinäre Arbeit sowie nationales und internationales Wirken in der Öffentlichkeit. Alle zwei Jahre bewerben sich Menschen aus ca. 155 Ländern. Seit 1990 hat die Akademie Schloss Solitude über 1400 Stipendiaten aus ca. 130 Ländern gefördert. Das Haushaltsvolumen der Akademie belief sich im Jahr 2017 auf ca. 2,2 Millionen Euro.

Eine zentrale Frage ist für Die Akademiedirektorin daher auch die Beschaffenheit und Ausrichtung des Stipendienprogramm der Akademie: Die künstlerische Freiheit und der geschützte Raum des versorgten Arbeiten-Könnens seien ein kostbares Gut, welches schützenswert sei, so die Direktorin. Kunstförderung ist ein hohes Gut, das sehen wir ebenso. Daher ist es wichtig, dass sie allen Studierenden gleichermaßen zukommt, eben auch um Chancengleichheit zu gewährleisten.

Auffallend ist aber, dass die Akademie Schloss Solitude zunehmend die internationalen Studenten und deren Kultur im Fokus hat. Deutschen Studenten und ihre Kultur treten dagegen auffallend ins Hintertreffen.

Gerade vor diesem Hintergrund befürwortet Dr. Rainer Balzer Mdl, kultupolitischer Sprecher im Landtag von Baden-Württemberg, eine Stärkung der deutschen Kultur in der weltweiten Präsenz.